PARTNERWAHRNEHMUNG  III

Improvisationskette
Von zwei Partnern wird im Kontext des gewählten Themas ein kurzer Anfangsdialog gesprochen und körpersprachlich gestaltet. Es wird ein Stopp-Zeichen (Klatschen) gegeben, und einer der Partner wird vom nächsten Spieler abgelöst. Dieser entscheidet sich, welchen von den beiden er ablösen will, nimmt die Körperhaltung des abgelösten Spielers ein und regt eine beliebige Fortsetzung des Dialogs (bis zum nächsten Stopp-Zeichen) an. Das Stoppzeichen kann vom Gruppenleiter gegeben werden.
nach Peter Maier

Interpretation von Körperhaltung und Kleidung
Lesen Sie die Vorgaben und führen Sie sie nach Möglichkeit nonverbal vor. Wie interpretieren Sie die folgenden nonverbalen Signale:

 
Interpretation von Bildern, Fotos, Statuen
Schlagen Sie in Einzel- oder in Paararbeit in Zeitungen, Zeitschriften, Ausstellungskatalogen nach und finden Sie dort Menschenbilder mit ausgeprägter Körpersprache. Befestigen Sie die Bilder an der Tafel oder an der Wand, beschreiben und interpretieren Sie sie gemeinsam.

Menschen in Situationen
Beobachten Sie ein paar Tage lang Menschen in unterschiedlichen Situationen – im Bus, im Theater, im Restaurant, im Supermarkt, auf der Straße. Finden Sie ein Beispiel des körpersprachlichen Ausdrucks, welches Ihnen interessant und/oder typisch vorkommt. Führen Sie das Beispiel in der Klasse vor. Die Zuschauer beschreiben und interpretieren ihren nonverbalen Ausdruck verbal.

Spiegeln
Bilden Sie Paare. Stellen Sie sich im Klassenraum so hin, dass Sie genug Platz für zwei haben und dass Sie sich gut sehen.
Ein Paarmitglied beginnt langsam seine Körperteile zu bewegen – das Gesicht, den Kopf, den Hals, die Schultern, den Oberkörper, die Arme, die Hände, die Beine. Sein Gegenüber spiegelt die Bewegungen – ahmt sie so nach, als ob er ein Spiegel wäre. Nach ungefähr einer Minute wechseln Sie sich ab. 
Das Spiegeln kann thematisiert werden. So können zum Beispiel Charaktereigenschaften, emotionale Zustände, kommunikative Haltungen, Tagesabläufe (Morgenhygiene, Mittagessen, Hobbybeschäftigungen) gespiegelt und anschließend verbal gedeutet werden.
Die Übung wird langsam durchgeführt.

Interkulturelle Unterschiede
Anerkennung wird symbolhaft durch Klatschen mit den Händen ausgedrückt, JA oder NEIN mit einer Kopfbewegung. Aber die Bulgaren zum Beispiel drücken JA und NEIN umgekehrt als wir aus.
Können Sie sich an weitere Beispiele der symbolischen Körpersprache (z.B. aus der Kindheit, dem Familienleben, dem Sport, der Öffentlichkeit, dem Gesellschaftsleben, der Kunstwelt, dem Studium, aus einigen Berufen...) oder an einige interkulturelle Unterschiede erinnern?
Führen Sie jeweils ein Beispiel vor. Die Zuschauer interpretieren ihren nonverbalen Ausdruck verbal.

Zwei Sprecher
Illustrative Gesten unterstützen die Mitteilungen des Sprechers: zeigen auf Gegenstände, bilden den Rhythmus der Sprache ab, stellen eine körperliche Aktion dar, veranschaulichen Ausmaße, Entfernungen, Richtungen.
Adaptive Gesten reduzieren die Spannung des Sprechers durch z.B. Kratzen am Ohr, Berühren der Nase, Legen der Hand auf die Stirn, Spielen mit dem Kugelschreiber, Entfernen des Fadens von der Hose usw.
Üben und bereiten Sie in Paararbeit das Vortragen eines kurzen identischen Textes vor. Das erste Paarmitglied spielt einen geübten, ruhigen, souveränen Sprecher, der gut mit den illustrativen Gesten umgeht, das andere Paarmitglied spielt einen unsicheren, verspannten, unerfahrenen Sprecher, der extrem viele adaptive Gesten gebraucht.

Selbstwahrnehmung

Als erstes Training der Selbstwahrnehmung werden Übungen zur bewußten Atmung und zur Wahrnehmung des Körpers empfohlen. Die Selbstwahrnehmung stellt den ersten Schritt auf dem Weg zum optimalen Einsatz der Körpersprache dar.  

Atmung
In regelmäßigen Atemübungen lernt der Schüler seinen Atem wahrzunehmen und ihn beim Sprechen effektiv einzusetzen. Bewusste Arbeit mit dem Atem schließt den Umgang mit der Körperentspannung und -anspannung, mit Aus- und Einatmung samt Pausen, mit Brust- und Bauchatmung mit ein.

 

Baumübung
Lesen Sie zuerst den folgenden Text:

Wenn du stehst, bist du wie ein Baum.
Du wächst von innen.
Deine Füße, den Wurzeln gleich, ziehen Kraft aus der Erde.
Dein Körper, wie ein Stamm, ist perfekt ausgerichtet.
Dein Kopf, die Krone, öffnet sich zum Himmel.
Du ruhst in dir, das Universum in deinem Geist.
Meister Lam Kam Chuen

Stehen Sie jetzt auf, finden Sie für sich einen bequemen Stehplatz und versuchen Sie, wie ein Baum zu stehen – mit beiden ganzen Fußsohlen fest auf dem Boden – wie verwurzelt. Die Füße ungefähr in Schulterbreite, der Körper geradeaus. Strecken Sie langsam und konzentriert die Taillen- und die Halspartie. Stellen Sie sich vor, Ihr Kopf wird an einem Faden nach oben gezogen. Ziehen Sie die Schultern nach hinten, nach unten und auseinander. Zu dieser Körperaufstellung, die wir „Baum“ oder auch „Null-Punkt“ nennen können, kehren Sie während Ihres Auftritts (Referat, Powerpointpräsentation) immer wieder zurück.

Wie fühle ich mich?
Wir gehen gedanklich und gefühlsmäßig den ganzen Körper durch und versuchen ihn mithilfe leichter Bewegungen zu lockern und zu entspannen.

 

Entspannung

Versuchen Sie, den Körper langsam zu entspannen. Die einzelnen Körperteile werden zuerst angespannt, die Spannung wird dann kurz gehalten und anschließend wird sie gelöst.

 
Das eigene Gleichgewicht

Und nun im Einbeinstand – zunächst mit offenen, dann mit geschlossenen Augen. Wechseln Sie die Beine. Und nun winkeln Sie das linke, dann das rechte Bein wie ein Storch nach vorne ab, schließen Sie die Augen und halten Sie das Gleichgewicht.
Wiederholen Sie die Übung. Ist es besser gegangen? Welchem Umstand schreiben Sie es zu?

Nun führen Sie die Arme bei geschlossenen Augen vor dem Körper zusammen und berühren Sie beide Zeigefinger. Diesen Ablauf können Sie mit den Daumen, Mittel-, Ring-, Kleinfingern in Richtung Stirnmitte, Ohrläppchen, Kinn wiederholen.

Rücken an Rücken
In den folgenden zwei Übungen werden didaktisch relevante körpersprachliche Kommunikationsstrategien ausprobiert und reflektiert.
Bilden Sie bitte Paare und setzen Sie sich dann so hin, dass Sie Ihren Partner nicht sehen können – entweder mit geschlossenen Augen oder Rücken an Rücken. Führen Sie jeweils ein kurzes Gespräch.
Sprechen Sie dann kurz darüber, wie sie sich gefühlt haben. Haben Sie den Anblick des Partners vermisst? Kam es zu keinen Hörstörungen? Haben Sie Gestikulation gebraucht?

Nonverbale Rückmeldung
Zwei Schüler werden hinter die Tür geschickt. Der Lehrer vereinbart mit der Klasse, dass er zuerst mit dem ersten, dann mit dem zweiten Schüler jeweils ein kurzes Prüfungsgespräch führt. Den ersten Schüler verstärkt er positiv – er lächelt, schaut dem Schüler in die Augen, nickt freundlich, stimmt ihm zu. Den zweiten Schüler verstärkt er überhaupt nicht, er schaut ihn bei den Antworten nicht an, macht ein ernsthaftes, ggleichgültiges Gesicht.
Anschließend berichten die beiden Schüler über ihre Gefühlem, die Zuschauer über ihre Eindrücke.

Gefühle und Empfindungen
Auch die letzten zwei Aufgaben zur Selbstwahrnehmung haben reflexiven Charakter.
Erinnern Sie sich bitte an eine erlebte emotionell geladene Situation und konzipieren Sie in Paar- oder Einzelarbeit einen kurzen monologischen oder dialogischen Text, in dem Sie mindestens zwei Empfindungswörter benutzen. Lesen Sie dann Ihre kurzen Texte bzw. Textfragmente im Plenum vor. Vergessen Sie nicht, Ihre Stimme im Einklang mit der ausgedrückten Bedeutung zu modifizieren.

 

Assoziationen zum Sitzkreis
Gestalten Sie für eine bestimmte Unterrichtssequenz einen Sitzkreis. Lassen Sie Ihre Schüler noch vor der geplanten Arbeit ihre Befindlichkeit reflektieren und Assoziationen zu der Sitzanordnung „im Kreis“ bilden. Wie empfinden sie den Unterschied zu der frontalen Möbelaufstellung? Was alles ist anders geworden? Wie fühlen sie sich? Warum?

Kontaktaufnahme

Immer, wenn Sie das erste Mal vor eine Klasse oder Gruppe treten, wenn Sie einen Vortrag halten, ein Referat präsentieren wollen, versuchen Sie in Ihren Auftritt folgende Schritte zu integrieren, die für Ihr Wohlbefinden, aber auch für den guten Kontakt zu ihrer Adressatengruppe von Belang sind:

Vorlesen

Das im Fremdsprachenunterricht immer wieder geübte Vorlesen kann auf interessante und nützliche Art modifiziert werden.
In die obligatorischen Aussprache- und Intonationsübungen sollten zum Beispiel unbedingt ruhige langsame Deutlichkeitsübungen mit voluminöser Vokalbildung, konsonantischer Konturierung und mit bewusstem Umgang mit Pausen integriert werden.
Darüber hinaus können viele weitere Übungen dazu verhelfen, dass das Vorlesen sowohl für den Vorleser als auch für das Publikum zu einer interessanten Begegnung wird.  

Nachrichtenstudio
Die deutsche Sprache zeichnet sich im Vergleich zu der tschechischen Sprache durch eine ausgeprägtere Wort- und Satzbetonung bzw. Satzmelodie aus. Um uns für diesen Unterschied zu sensibilisieren, finden wir in einer beliebigen Internet-Zeitung eine einfache Audio-Nachricht und hören uns diese mehrmals an. Den Text der Nachricht rekonstruieren wir schriftlich im Diktogloss-Verfahren (wiederholtes Anhören und schriftliches Festhalten). Wir lernen den Text originalgetreu vorzulesen. Im Unterricht werden dann die Nachrichten im „Nachrichtenstudio“ vorgelesen.
Bei eventuellen Dekodierungsschwierigkeiten ist es notwendig, dass der Schüler dem Lehrer nicht seine transkribierte Fassung, sondern die Audioaaufnahme bringt. Für diese Aufgabe sind also ungefähr zwei Wochen einzuplanen – damit der Lehrer bei der Dekodierung helfen kann.

Befindlichkeiten
Unsere nächste Leseübung wird im Stehkreis durchgeführt.
Jeder Schüler bekommt ein Kärtchen mit einem Satz und mit der Angabe der emotionellen Befindlichkeit (in Klammern), in der der Satz ausgesprochen wird. Der Satz ist unter Einsatz aller nonverbalen Mittel so vorzulesen, dass der gesamte Ausdruck den Zuschauern/Zuhörern die Deutung der Befindlichkeit ermöglicht.
Das Repertoire der Befindlichkeiten kann zum Beispiel in Form des Tafelanschriebs im Voraus zur Verfügung gestellt werden:

 

Repertoire der Befindlichkeiten

ABLEHNUNG – ANGST – ÄRGER – BEGEISTERUNG – EKEL ENTTÄUSCHUNG – ERLEICHTERUNG – FREUDE GLEICHGÜLTIGKEIT – GLÜCK – INTERESSE – LANGEWEILE MITLEID – MÜDIGKEIT – NEUGIER – TRAUER – ÜBERRASCHUNG UNGEDULD – UNSICHERHEIT – VERWUNDERUNG – WUT ZERSTREUTHEIT – ZORN – ZUSTIMMUNG

 

 

 

24 Kärtchenvorgaben

 

Der Vorschlag
ist unfair.

 

(ABLEHNUNG)

 

Das ist aber
gefährlich.
           

 

(ANGST)

 

Warum hast du dem Chef etwas Anderes gesagt als mir?

 

(ÄRGER)

 

Das ist ein toller Plan.

 

 

(BEGEISTERUNG)

 

Insekten
und Käfer essen?
Nein!

 

(EKEL)         

 

Na ja, versprochen
hat er das, aber dann hat er sein Wort gebrochen.

(ENTTÄUSCHUNG)

 

Du hast die ganze Wäsche gebügelt? Das ist aber toll.

 

(ERLEICHTERUNG)

 

Ich wurde zum Studium aufgenommen.

 

(FREUDE)

 

Seine Ausreden interessieren mich
nicht mehr.

 

(GLEICHGÜLTIGKEIT)

 

Ich habe eine interessante und wirklich gut bezahlte Stelle bekommen.     
           
(GLÜCK)

 

Und kennst du Bedingungen für dieses tolle Stipendium?     

 

(INTERESSE)         

 

Zuerst wollte ich nicht zum Schilaufen mitfahren. Und jetzt
bin ich hier allein.

(LANGEWEILE)

 

Das ist etwas ganz Wichtiges.
Das müssen wir anpacken.

(ZUSTIMMUNG)

 

Du hast wieder verschlafen und den Termin verpasst? Ach du Arme...

(MITLEID)

 

Was ist los mit mir;? Hat mich vielleicht dieser Grippe-Virus erwischt?

(MÜDIGKEIT)

 

Dass gerade er
in der Bewerbung gewonnen hat… Wie konnte es nur dazu kommen?
(NEUGIER) 

 

Stell dir vor, mein Nachbar ist an den Folgen seiner Verletzung gestorben.

(TRAUER)

 

Eva hat sich von Peter getrennt? Was du nicht sagst. Sie waren doch das Paar des Jahres!

(ÜBERRASCHUNG)

 

 

 

Komm, komm,
wir packen
die Geschenke aus.

 

(UNGEDULD)        

 

Der eine sagt dies,
der andere jenes.
Und was stimmt jetzt?           

 

(UNSICHERHEIT)

 

So viele Punkte
im Test?
Er gehört ja zu den Schwächsten.

(VERWUNDERUNG)

 

Was sagst du?
Das ist eine gemeine Beleidigung!

 

(WUT)          

 

Entschuldige.
Ich habe jetzt
so viele Sorgen.

 

(ZERSTREUTHEIT)

 

So. Ich habe festgestellt,
dass er
wieder gelogen hat.

(ZORN)         

 

Literatura
CHI KUNG. Zhan Zhuan. [online]. © 2009 [cit. 2009-07-18]. <http://www.chi-kung.org/zhan_zhuang.html>.
FLOTTMANN, H.; GRYGIER, H.; HILGERS, U.; TRENNER, B. Wahrnehmung, Kommunikation und Konfliktmanagement. Heterogenität und Klassenmanagement. Handbuch. Bielefeld: EU-TIPP, 2009.
KRÈMOVÁ, Marie. Fonetika a fonologie. [online]. © 2008 [cit. 2009-07-19]. <http://is.muni.cz/do/1499/el/estud/ff/js08/fonetika/ucebnice/index.html>.  
PROGRESSIVE MUSKELENTSPANNUNG. . [online]. © 2007 [cit. 2009-07-17]. <http://www.progressivemuskelentspannung.com/>.
SCHOBER, O. Körpersprache – Schlüssel zum Verhalten. Bedeutung und Nutzen der Körpersprache im Alltag. München: Wilhelm Heyne, 1990.
WATZLAWICK, P.; BEAVIN, J. H.; JACKSON, D. D. Menschliche Kommunikation. Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Bern: Hueber, 1969.

ZAJÍCOVÁ, P. Text und Textverstehen im Unterricht DaF. Ostrava: OU, 1999.