- Read and Look up – Publikumsorientiertes Vorlesen
Das publikumsorientierte Vorlesen fassen wir hier als die Grundlage der Theaterarbeit auf. Nicht jeder Theatertext muss auswendig gesprochen werden, auf der anderen Seite gründet gerade das publikumsorientierte Vorlesen auf einer guten Textkenntnis und kann eine Vorstufe zum Auswendig-Sprechen und Inszenieren werden.
Diese Lesetechnik, auch „Read-and-look-up“ genannt, wird folgendermaßen charakterisiert:
„Dabei liegt der zu lernende Text dem Schüler schriftlich vor und er versucht, bei nur sehr kurzem Hinschauen kleine Abschnitte ganzheitlich zu erfassen und dann ´auswendig´ wiederzugeben. Mehrmaliges Wiederholen dieser Technik an einem Text führt zur Reproduktion des Gelernten.“ (Rampillon 1996: 96)
Abgesehen davon, ob im Unterricht Theater gespielt wird oder nicht, kann und sollte diese Technik unseres Erachtens von dem allerersten Anfang des Fremdsprachenunterrichts an, beginnend mit sehr kurzen Texten, trainiert werden. Die publikumsorientierte, relativ langsame Art des Vorlesens wird vom Publikum in der Tat als sehr angenehm empfunden. Zu dem guten Eindruck der Zuhörer tragen unter anderem die Pausen bei, die der Vorleser machen muss.
Sehr wichtig für den Vorleser ist die Vorbereitungsphase. Er liest den Text mit Bleistift in der Hand mehrmals durch und markiert sinnvolle Abschnitte, die er durch ein kurzes Hinschauen erfassen und mit dem Blick auf das Publikum sprechen kann. Diese Abschnitte können am Anfang kürzer, später länger sein und mit der Modifikation der Länge des auf einmal zu erfassenden Textes wird zugleich mit Betonung und Intonation gearbeitet. Der Vorleser sollte seinen publikumsorientierten Leseauftritt mehrmals laut ausprobieren. Dabei stellt er sich möglichst sein Publikum vor und trainiert auch die Distribution des Augenkontakts so, dass bei den gesprochenen Segmenten nach und nach alle Zuhörer mit seinem Blick erreicht werden.
Abschließend ist zu bemerken, dass diese Übung ziemlich schwierig ist, dass sie zum ersten Mal mit einem ganz kurzen Text gemacht und wiederholt werden sollte. Der Lehrer sollte sich den Schülern vor ihrem ersten Trainingsversuch als Modell zur Verfügung stellen und dann jeden kleinen Erfolg und Fortschritt seiner Schüler loben. Erfahrungsgemäß können auch diejenigen Schüler diese Übung bewältigen, die beim ersten Versuch stark irritiert sind.