- Sprechtechnik und Stimmführung
Obwohl sich die Stimme an der Grenze zwischen dem verbalen und dem nonverbalen Ausdruck befindet und deshalb am Anfang unserer Anordnung steht, sollten die ihrem Wesen nach relativ schwierigen Sprech- und Stimmübungen nach unserer Erfahrung erst nach einem reichhaltigen Angebot an Bewegungsübungen durchgeführt werden.
Die Schulung der Sprechtechnik und der Stimmführung basiert auf deutlicher und korrekter Aussprache und beinhaltet neben einschlägigen Übungen auch Atemübungen.
In regelmäßigen Atemübungen lernen die SchülerInnen ihren Atem wahrzunehmen und ihn beim Sprechen effektiv einzusetzen. Bewusste Arbeit mit dem Atem schließt den Umgang mit der Körperentspannung und -anspannung, mit Aus- und Einatmung samt Pausen, mit Brust- und Bauchatmung mit ein.
In den Sprechübungen wird die Aufmerksamkeit gerichtet auf Stimmansatz, Stimmresonanz, Sprechen in die Maske und Stimmprojektion, auf deutliche Artikulation mit voluminöser Vokalbildung und konsonantischer Konturierung, weiter auf Betonung, Intonation und den Umgang mit Pausen.
Wenn diese Aspekte bewusst wahrgenommen und einigermaßen interiorisiert werden, bekommen die Schüler ein Repertoire von Elementen, die sie nach ihrem eigenen Ermessen auswählen, variieren und in die Textpräsentation einbauen. Es handelt sich zum Beispiel um Lautstärke, Tonhöhe, Stimmfarbe bzw. Emotionalität, Tempo, Sprecheranzahl, Staffel-, Cloze- und Kanonsprechen, Welle, Echo, einfache Klangeffekte (z.B. Klatschen, Schnipsen, Stampfen, Klopfen, Pfeifen, Brummen, Zischen).
Beim lauten Vorlesen sind Übungen hilfreich und nützlich, in denen die Schüler ihre Aufmerksamkeit auf den Stimmansatz, die Stimmresonanz, das Sprechen in die Maske und auf die Stimmprojektion richten.
- Die Schüler lesen ein Stück Text vor und variieren dabei ihren Stimmansatz. Wo überall kann meine Stimme sitzen? Ganz tief in der Brust, im Hals, in der Nase oder ganz vorn im Mund...
- Vor dem lauten Lesen werden das Gesicht und die Artikulationsmuskeln gelockert. Wir machen gemeinsam zwölf folgende Gesichter:
- wir heben die Augenbrauen an, dann jede Seite einzeln;
- wir falten die Stirn;
- wir kneifen die Augen zu: beide auf einmal, dann jedes einzeln;
- wir machen ein fürchterlich düsteres Gesicht;
- mit vorgehaltener Hand gähnen wir kräftig und ausgiebig;
- wir bewegen mit dem Unterkiefer in beide Seiten;
- wir kauen an einem riesengroßen Kaugummi;
- wir versuchen die ganze Mundhöhle langsam mit der Zunge zu massieren;
- wir falten die Nase;
- wir spitzen den Mund;
- wir dehnen die Lippen abwechselnd waagerecht und senkrecht;
- wir fletschen die Zähne;
- wir schließen die Augen und atmen einige Male aus und ein.
- Lesen Sie ein Stück Text vor und versuchen Sie dabei abwechselnd die Brustresonanz (typisch für Sprechstimme) und die Kopfresonanz (typisch für Singstimme), dann die Kombination der beiden zu erreichen.
- Versuchen Sie durch Veränderungen in der Lippen-, Zungen- und Kehlenstellung, im Stimmansatz und in der Ausnutzung der körperlichen Resonanzräume eine bestimmte Flexibilität im Registerwechsel zu erreichen. Können Sie eine fremde Stimme nachahmen?
- Lesen Sie einen kurzen Text und stellen Sie sich dabei vor, ihre Zuhörer sind aufgeregt und brauchen Beruhigung, sie sind müde und brauchen Mobilisierung, sie sind ehrenvolle Persönlichkeiten, sie sind kleine Kinder...